Die Brennessel

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Die Brennessel 2017-01-25T13:52:58+00:00

Die Brennnessel, „Königin der Kräuter“

Die Brennnessel wurde von Rudolph Steiner „Königin der Beikräuter“ genannt. Ihr Vitalstoffgehalt ist enorm. Der Begründer der Anthroposophie empfahl sie als Mittel gegen Hämorrhoiden, bei zu starker Periode, zur Regulierung des Eisenhaushaltes und als Schwefelelement zur Harmonisierung des Organismus und für die Landwirtschaft zur Belebung des Bodens. Brennnesseln sind, auch roh, eine Delikatesse. Sie sind außerdem ein Paradies für Schmetterlinge. Insgesamt gibt es rund 70 Arten von ihr, wie Kleiner Fuchs, Pfauenauge, Admiral, Schönbar und Goldeule. Konrad Lorenz: „Es gibt kein Unkraut, höchstens Wildkraut. Die Brennnesseln genießen meinen Schutz, seit ich weiß, dass sie Nahrungspflanze des Tagpfauenauges sind, einem der schönsten Schmetterlinge.“

Der Maler und Grafiker Albrecht Dürer (1471 bis 1528) schuf eines der anrührendsten religiösen Bildnisse, auf dem die Brennnessel zu Ehren kommt: Ein Engel trägt die Brennnessel zum Throne Gottes empor. Ein Bild mit symbolischem Charakter, das auch die tiefe Liebe Dürers zur Natur widerspiegelt.

Die Rolle der Brennnessel als Aphrodisiakum

Bei den Germanen war die Brennnessel Donar geweiht, dem Donnergott und Herrscher über Fruchtbarkeit und Potenz. An bestimmten Festtagen aßen daher die Germanen ein Brennnesselgericht zur Steigerung der Potenz und Fruchtbarkeit. Ein verliebter Jüngling streute seiner Angebeteten Brennnesselsamen ins Haar, um ihre Gunst zu gewinnen. Mädchen, die von ihrem Auserwählten verschmäht wurden, besprengten seine Türschwelle mit einem Tee aus Brennnesselsamen.

Bekam in vergangenen Jahrhunderten ein junges Mädchen einen Strauß mit einer Brennnessel darin, so sollte diese Geheimsprache sagen: „Ich fühle brennende Liebe in meinem Herzen.“ Schon die Dichter der Antike betrachteten die Brennnessel als Aphrodisiakum. Der römische Dichter Ovid empfahl in seinem berühmten Buch „Ars Amandi“ („Liebeskunst“) einen Liebestrank, dessen wesentlicher Bestandteil Brennnesselsamen sind. Der römische Schriftsteller Gaius Petronius glaubt, dass die Potenz durch die Brennnessel gesteigert würde, wenn man damit die Stelle unter dem Nabel, die Lenden und das Gesäß mit leichten Schlägen bearbeitet (Angaben ohne Gewähr!).

Die Brennnessel – ein botanisches Wunder

In Polynesien gibt es einen Brennnesselbaum, der mehr als 13 Meter hoch wird. Der Giftstoff der australischen Laportea moroldes ist so stark, dass er Geschwüre und tagelanges Fieber verursachen kann. Die Brennnessel wächst in 30 Arten im gemäßigtem Klima.

Nesselgewächse mit insgesamt 1050 Arten sind besonders in den wärmeren Zonen verbreitet.

Die Brennnessel hat einen ausdauernden – perennierenden – Wurzelstock. Die Pflanze ist zweihäusig, und die unscheinbaren Blütentrauben, die von Mai bis Oktober an den Stielen hängen, sind entweder weiblichen oder männlichen Geschlechtes. über die stark verzweigte gelbe Wurzel kann sich die Brennnessel auch vegetativ (wie zum Beispiel die Erdbeere) vermehren.

Die bis zu 30.000 (!) Samen werden bei Sonneneinstrahlung wie beim Springkraut als Wolke in die Luft geschleudert. Der Wind trägt dann die Pollen auf die pinselartig behaarten Narben der weiblichen Blüten. Auf Bestäubung durch Insekten ist die Brennnessel also nicht angewiesen. Dieses Phänomen kann man wunderbar beobachten, wenn man die rispenförmigen Blütenstände einer männlichen Brennnesselpflanze abends in ein Glas Wasser stellt, sie morgens herausnimmt und dann dem Sonnenlicht aussetzt. Die Früchte der Brennnessel stellen winzige Nüsschen dar. Sie sind oval, flach und sandgrau. Der wie Sesam schmeckende Samen bleibt im Herbst an den Stängeln hängen, wenn die Brennnessel ihre Blätter längst verloren hat.

Die wertvollen Inhaltsstoffe der Brennnessel

Wie andere Wildkräuter auch, enthält die Brennnessel ein breit gefächertes Spektrum an wertvollen Inhaltsstoffen, durchschnittlich etwa zehn Mal mehr als unser degeneriertes und verzüchtetes Kulturgemüse! Die Brennnessel besteht zum Beispiel aus mehr als 30 Prozent Proteinen, und zwar aufgrund der Zusammensetzung der Aminosäuren in einer besonders hohen Qualität. Beachtlich ist auch ihr hoher Anteil an Vitaminen wie Carotinoiden. Sie enthält zwanzig Mal mehr Provitamin A als Kopfsalat, wobei Provitamin A Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugt und als „Schönheitsvitamin“ für Haut, Haare und Nägel gilt. Besonders als junge Pflanze hat die Brennnessel einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C, etwa 25 mg pro 100 Gramm, das ist etwa dreißig Mal mehr als Kopfsalat enthält.

Der Vitamin-E-Gehalt der Brennnessel ist beachtlich. Dieses „Verjüngungs-Vitamin“ schützt vor Zell- und Gewebealterung und dient als Geriatrikum. Vitamin E beugt auch Krebs und Herzkrankheiten vor und hält die Haut straff und elastisch. Herausragend sind auch die Mengen an Vitamin B2 (0,04 mg auf 100 Gramm) für die Zellatmung, Vitamin B5 für Stoffwechsel und Hormonbildung sowie dem seltenen Vitamin K, sonst vor allem im Gerstengras zu finden, für Blutgerinnung und gesunde Knochen.

Die Brennnessel ist nicht nur reich an Vitaminen, sondern bietet eine ganze Palette von Mineralstoffen und Spurenelementen, vor allem Eisen, Kalzium (190 mg auf 100 g), Magnesium, Kalium (316 mg auf 100 g), Phospor (61 mg auf 100 g) und Silizium. Verglichen mit Kopfsalat enthält sie das Fünfundzwanzigfache an Magnesium, das Vierzehnfache an Kalzium und das Fünfzigfache an Eisen. Die Eisenwerte der Brennnessel sind so beeindruckend hoch, dass die Firma Phamos, welche ihre Inhaltsstoffe analysierte, an einen Analysefehler dachte. Eisen ist als Element dem Planeten Mars zugeordnet. Die Brennnessel verbessert nicht nur das Blutbild, sondern auch das Energieniveau und das Durchsetzungsvermögen! Sie ist eine hervorragende Eisenquelle, weil das in ihr enthaltene Vitamin C die Eisenaufnahme begünstigt. Besonders Frauen in der Schwangerschaft, während der Menstruation und in den Wechseljahren haben einen erhöhten Eisenbedarf. Brennnesseln führen im Gegensatz zu vielen Eisenpräparaten nicht zu Verstopfung.

Das Kalzium in der Brennnessel – am höchsten ist der Gehalt in der Wurzel – hilft besonders bei der Regeneration von Knochen und Zähnen, die 99 Prozent des im Körper vorhandenen Kalziums benötigen. Kalzium wird auch für die Immunkraft sowie für die Weiterleitung von Nervenimpulsen benötigt. Auch Magnesium, in unseren Kulturpflanzen kaum noch vorhanden, findet sich reichlich in der Brennnessel. Dieses wichtige Anti-Oxidans wird auch als „Anti-Stress-Mineral“ bezeichnet. Auch Bananen, vor allem die aus Bio-Anbau, enthalten viel Magnesium.

Als herausragend kann man auch den Gehalt der Brennnessel an Mangan und Kieselsäure bezeichnen. Mangan dient zum Aufbau von Knochen und Knorpelgewebe und beugt damit Bandscheibenproblemen vor. Silizium oder Kieselsäure hilft ebenfalls bei der Bildung von Bindegewebe und Knorpeln. Darüber hinaus fördert es das Wachstum und verleiht Haar und Haut Festigkeit und Schönheit. Das in Brennnesseln reichlich vorhandene Chlorophyll bzw. Blattgrün regeneriert das Blut und stärkt den gesamten Organismus. Für die Gewinnung von Chlorophyll als Heilmittel gegen Geschwüre, Ekzeme, bei Arteriosklerose und als Deodorant wird heute hauptsächlich die Brennnessel verwendet, weil sie diese „Grünkraft“ (nach Hildegard von Bingen) in so reichlichem Maß enthält.

An besonderen Inhaltsstoffen enthält die Brennnessel außerdem Amine, die ganz besonderen Wirkstoffe der Brennnessel. Das sind organische, stickstoffhaltige Verbindungen, die sich in lebenden Organismen bilden und als Hormone eine wichtige Rolle im Körper spielen, z. B. das Adrenalin. Die Brennnessel enthält vor allem Histamin und Acetylcholin, die sich im Tierreich oft als Botenstoffe des Nervensystems finden. Acetylcholin, neben Adrenalin der bekannteste Transmitter, aktiviert Skelettmuskelfasern, indem es die Signalübertragung von den Nervenzellen auf die Muskelfasern ermöglicht. Bei Blutungen verengt Acetylcholin die Arterien und erweitert die Kapillargefäße, was blutstillend wirkt. Auch die Gedächtnisleistung wird durch diesen Botenstoff gesteuert: Man nimmt an, dass der Schlüssel zum Gedächtnisverlust bei alten Menschen darin liegen könnte, dass kein Acetylcholin mehr gebildet wird.

Auch das Histamin in der Brennnessel, das für das Brennen verantwortlich ist, zieht die glatte Muskulatur zusammen und wirkt blutstillend bei inneren und äußeren Blutungen. Histamin ist in einer relativ hohen Konzentration von 0,1 Prozent in den Brennhaaren vorhanden. ältere Menschen in Deutschland und Russland nehmen traditionell erfolgreich Brennnesselsaft gegen Nasenbluten, Bluthusten und sogar Blutstürze ein. Hervorzuheben ist außerdem der Gehalt an Glukokininen in der Brennnessel, die, ähnlich wie Insulin, den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern senken. Kinine sind Gewebshormone, die stark gefäßerweiternd wirken. Bei Diabetes wird Brennnesseltee empfohlen, am besten ein Liter täglich. Die Brennnessel enthält Saponine, kohlenhydrathaltige Pflanzeninhaltsstoffe, welche die Drüsenaktivität erhöhen und damit blutreinigend wirken.

Am Besten entfaltet sie ihre Wirkung im frischen Presssaft, roh als Zugabe in Wildkräutersalaten oder kleingeschnitten in Quarkspeisen oder Kartoffelpüree oder als Trunk aus getrockneten und gemahlenen Blättern, selbstgemacht oder im Versand erhältlich.

Die Brennnessel bei Gesundheitsproblemen

Wer Einschlafprobleme hat, kann es mit einem Kräuterkissen aus getrockneten Brennnesselblättern versuchen. Neurodermitis und Heuschnupfen bei Kindern verschwinden oft, wenn täglich ein Liter Brennnesseltee getrunken wird. Brennnesselöl, auf die Schläfen getupft, hilft bei Konzentrations- und Lernproblemen. Brennnesselsamen helfen bei Osteoporose und Wechseljahresbeschwerden. Wer unter Erschöpfung oder unter Anämie leidet, sollte auf Brennnesseltee, -Samen und -Sirup zurückgreifen, Frischsaft pressen und sich aus Pulver einen Vitaltrunk zubereiten. Sogar bei Depressionen hilft die Brennnessel, weil sie als Mars-Pflanze Willenskraft und Selbstbewusstsein stärkt.

Die Brennnessel wirkt blutstillend, blutreinigend, stoffwechselanregend, stuhlfördernd, auswurffördernd und schleimlösend. Innerlich kann man sie anwenden bei Blasenleiden, Rheuma, Gicht, zu wenig Milchbildung beim Stillen, Haarausfall, Harnverhaltung, Wassersucht, Blutharnen, Ekzemen, Hautausschlägen, Erkältungen, Fieber und zu Frühjahrskuren. Äußerlich angewandt ist die Brennnessel bei Halsverschleimung, bei chronischen Hautausschlägen und als Haarwuchsmittel nützlich. Außerdem ist sie ein gesundes Gemüse und eine Salatbeilage.

Brennnesselprodukte gibt es im Reformhaus, in der Apotheke und im Versand. Zwischendurch, wenn Sie merken, dass Sie müde oder unkonzentriert sind, können Sie einen einen Brennnesseltrunk aus Fertigpulver anrühren. Auch über Salat können Sie Brennnesselsamen geben. Sie schmecken angenehm, wie Sesam oder Nüsse.

Die Brennnessel für Pflanzen und Tiere

Für den Garten können Sie Brennnesseljauche verwenden unverdünnt zur Schädlingsbekämpfung bei Läusen oder Schnecken. Im Verhältnis eins zu zehn verdünnt ist Brennnesseljauche als Dünger für Rosen, Obstbäume, Rasen und Gemüse geeignet. Im Herbst ist verdünnte Brennnesseljauche, auf den nackten Boden gegossen, ein Langzeitdünger.

Brennnessel ist das ideale Futter für die Bodenlebewesen, wie z. B. Regenwürmer, welche die Bodenfruchtbarkeit fördern und erhalten. Obstbäume und Sträucher lieben es, wenn man unter sie Brennnesseln anpflanzt. Zimmerpflanzen können ein Mal monatlich mit einem starken Brennnesseltee gedüngt werden, der gleichzeitig Schädlinge fernhält. Zwergkaninchen lieben getrocknete Brennnesseln als Trockenfutter. Brennnesselpulver kann man auch Hunden und Katzen unter das Futter mischen. In Skandinavien werden Brennnesseln als wertvolles Viehfutter angebaut.

Die Brennnessel verdient einen festen Platz neben anderen Nahrungsergänzungsmitteln, wie der AFA-Alge, Gerstengras, Chlorella-Alge und Spirulina in einer Zeit, in der die Vitalstoffdichte unserer Lebensmittel sinkt. Sie hat noch längst nicht die ihr gebührende Bedeutung in der Naturmedizin und in unserer Ernährung als Gesundheitsvorsorge gefunden. Auch die Rolle, welche die Brennnessel in der Kosmetik und in der Tier- und Gartenpflege spielt, ist noch viel zu unbedeutend. Diese spröde „Königin der Beikräuter“ wartet darauf, dass sie als Hilfe für Mensch, Tier, Pflanze und Boden in ihrer wahren Größe erkannt und gewürdigt wird.

Zeichnung: Eine Brennnessel-Pflanze (Quelle: František Severa, mit freundlicher Genehmigung)